Mundartveranstaltung „Die Scheaz“ bot viel Wissenswertes über dieses Kleidungsstück

Zu einer Mundartveranstaltung mit dem Titel „Di Scheaz – die Schürze“ hatte der Eifelverein Ulmen alle Interessierten in sein Vereinshaus im Eifel-Maar-Park eingeladen. Und weit mehr als 60 Frauen und auch einige Männer kamen mit einer Schürze bekleidet und wurden mit einem Glas Sekt in Empfang genommen, um an diesem Abend nicht nur viel Wissenswertes über dieses Kleidungsstück auf „Ölmena Platt“ von der Kulturwartin des Eifelvereins, Inge Dietzen, zu erfahren, sondern auch in einem zweiten Teil auf einer Leinwand

zum Teil viele Jahrzehnte alte Bilder aus Ulmen zu sehen, wo immer Menschen mit Schürzen bekleidet in verschiedenen Lebenssituationen zu sehen war. Darüber hinaus hatte die Kulturwartin auch mehr als 80 unterschiedliche Schürzen, alte Kochbücher, Kaffeekessel, Milchkännchen und vieles andere mehr zu einer kleinen Ausstellung aufgebaut.
„Bat ös ön Scheaz? – Was ist eine Schürze?“ Mit dieser Frage eröffnete Inge Dietzen ihren Mundartvortrag zu diesem einzigartigen Kleidungsstück. „Die Schürze diente nicht nur der Bekleidung, sondern war zu ihrer Zeit ein Stück Kulturgeschichte mit einer Seele, die in uns allen die Erinnerung an Kindheitstage, etwa an die Mutter, die Oma, die Patin oder andere Frauen hervorruft. Heute wird sie nur noch selten getragen – es sein denn, der Beruf verlangt es“, so Dietzen in ihren einführenden Worten.
Die Schürze könne als ältestes Kleidungsstück überhaupt angesehen werden und habe sich im Laufe der Zeit aus dem Lendenschurz entwickelt. Im Mittelalter hätten nur die Männer Schürzen getragen, etwa Schmiede, Bauern oder Köche. Ab dem 16. Jahrhundert hätten sich auch die Frauen mit Schürzen bekleidet und sie sei zu einem Markenzeichen geworden – als eher dunkel gefärbte Arbeits- oder auch als weiße Sonntagsschürzen. Auch die Mädchen trugen früher schon sogenannte Schulschürzen und Schürzen seien aus verschiedenen Trachtenkleidungen oder auch als Teil der Trauerbekleidung in schwarzer Farbe nicht wegzudenken, wenn man sich an die Kindheit erinnert, in der die Oma fast nur mit einer schwarzen Schürze bekleidet war.
Eine Schürze hatte auch viele Fortteile: Mit ihr konnte man etwa leicht beschädigte oder unsaubere Kleidung verdecken, sie diente oft als Taschen- oder Abwischtuch, als Tasche etwa für Eier oder Kartoffeln, als Topflappen, als Regenschutz, oder als Versteck für die kleinen Kinder und vieles andere mehr. Aber auch einige Sprichwörter, wie etwa „Der läuft jeder Schürze hinterher“ oder „Das ist ja ein rechter Schürzenjäger“ haben sich in Verbindung zu diesem Kleidungsstück entwickelt. Und auch die Heilige Elisabeth wird oft mit einer Schürze in Verbindung gebracht, als sie in diesem Kleidungsstück versteckt armen Menschen gegen den Willen ihres Mannes Brot brachte, von ihm zur Rede gestellt die Schürze öffnete und dann anstatt Brot Rosen hervorkamen. Dies und vieles andere mehr erzählte Inge Dietzen den anwesenden und aufmerksam zuhörenden Gästen im „Ölmena Platt“.
Nach einer kurzen Pause, in der sich alle unter anderem mit selbstangesetzten Kräuterschnäpsen, Eierlikör aus eigener Herstellung oder anderen Getränken stärken konnten, zeigte Inge Dietzen mit vielen Bildern Situationen, Menschen und Bräuche – fast immer im Zusammenhang mit „dä Scheaz“ aus lange zurückliegender Zeit und erntete am Ende viel Lob und Dank und lang anhaltenden Applaus der Gäste für diesen unterhaltsamen und kurzweilen Abend und kündigte an, in einer weiteren Mundartveranstaltung ein anderes Kleidungsstück in den Mittelpunkt zu stellen – „dä Hoot“ (den Hut).
Ulmen Mundartveranstaltung 12032001

Bildunterzeile:
„Die Scheaz“ war Mittelpunkt eines Mundartabends in Ulmen, so wie sie früher eigentlich immer zu sehen war.